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Eins, Zwei, Viele … oder wie man richtig Fische zählt

Sowohl beim Bau von Fischaufstiegsanlagen als auch beim Fischabstieg (im Folgenden pauschal Fischwanderhilfen genannt) ist eine Erfolgskontrolle gefolgt von adaptiven Optimierungen der Anlage essenziell. Je mehr Untersuchungen gemacht werden und je mehr auch nicht erfolgreiche Projekte veröffentlicht werden, desto schneller werden wir in der Gesamtheit zu zufriedenstellenden Lösungen kommen.
Doch wie zählt man Fische?

Grundlagen

Grundsätzlich setzt sich die Funktionstüchtigkeit von Fischwanderhilfen zusammen aus der Auffindbarkeit (finden die Fische den Eingang der Fischwanderhilfe?)  und der Passierbarkeit (kommen die Fische, welche den Eingang gefunden haben auch oben resp. unten unbeschadet an?). Damit die Tiere den Eingang finden ist eine optimale Anordnung der Fischwanderhilfe ausschlaggebend.
Beim Fischaufstieg werden die Tiere mit der sogenannten Leitströmung zum Eingang der Fischtreppe gelockt. Der Eingang des Fischpasses sollte dabei möglichst nahe am Hindernis angebracht und in Fliessrichtung orientiert sein. Beim Fischabstieg durch einen Bypass sollte dieser sowohl einen oberflächennahen, als auch einen sohlennahen Einstieg aufweisen und möglichst direkt ohne Kurven in das Unterwasser führen. Der Bypass wird am spitzen Winkel eines Rechens platziert, welcher die Tiere vor dem Einschwimmen in die Turbinen hindert.

Folgende gängige Methoden existieren um die Funktionstüchtigkeit von Fischwanderhilfen nachzuweisen:

  •  Elektrobefischung
  •  PIT-Tagging
  •  Radiotelemetrie (folgt)
  •  Reusenzählung
  •  Videoaufnahmen

Elektrobefischung

Mit Hilfe der Elektrobefischung kann man die Fische in einem Gewässer fangen, um sie zu markieren oder um deren Bestand vor und nach dem Bau einer Fischwanderhilfe zu bestimmen. Sie eignet sich auch um Aussagen über die Fischdichte, die Fischbiomasse und die Artenzusammensetzung zu machen.

Mit einer Kathode und einer Anode wird in dem Gewässer ein konstanter Gleichstrom erzeugt. Die Fische innerhalb des elektrischen Feldes reagieren auf den Strom. In der Abbildung rechts sind die Reaktionsmuster der Fische in Abhängigkeit der Entfernung des Tieres zur Anode dargestellt. Je näher der Fisch an die Anode kommt, desto stärker reagiert er und kann mit einem Kescher aus dem Fluss geholt werden. Als Faustregel geht man bei einer Entfernung von ca. 6 m von einer reaktiven Wahrnehmung der Tiere aus, welche zur Flucht führt. Ab ca. 2-3 m Entfernung zur Anode führt die automatische Taxis dazu, dass der Fisch auf die Anode zuschwimmt. Kommt er noch näher an die Anode erfolgt eine Narkose oder Teil- bis Voll-Tetanie.

 

Reaktionsmuster der Fische auf Elektrobefischung

Die Elektrobefischung  ist sehr exakt in kleinen bis mittelgrossen Fliessgewässern. Ab einer Tiefe von 2 – 2.5 m lässt die Effizienz dieser Methode jedoch nach. Im Vergleich zu anderen Befischungsmethoden ist dieses Verfahren relativ harmlos für die Tiere, allerdings kann es durchaus auch hierbei zu Verletzungen kommen. Eine sachgerechte Anwendung und ein achtungsvoller Umgang mit den Fischen ist stets einzuhalten!

Für die Elektrobefischung benötigt es einen Bedienungsschein von Elektrofischfanggeräten sowie eine kantonale Bewilligung.

PIT-Tagging

PIT-Tagging steht für die Markierung mit sogenannten Passive Integrated Transponder. Hierbei handelt es sich um einen passiven Chip, der in die Bauchhöhle der Tiere gesteckt wird und durch Antennen registriert werden kann, wenn die Fische durch sie hindurchschwimmen. Um die Gesamteffizienz einer FAH zu messen wird eine Antenne am Eingang und eine am Ausgang montiert. So kann jeder markierte Fisch erfasst werden, der hinein- und wieder herausschwimmt. Für die Erfassung der Wanderwege beim Abwandern der Tiere können je nach Anlagenlayout die Antennen an allen möglichen Abstiegswegen (Bypass, FAH, Wehre, …) angebracht werden.

PIT-Tagging gilt in der Schweiz als Tierversuch und darf nur von ausgebildetem Personal durchgeführt werden und auch nur sofern eine Bewilligung des kantonalen Veterinäramtes vorliegt.

Reusenzählung

Mit einer Reuse können die Fische im Einlauf einer Fischtreppe oder am Ausgang eines Bypasses erfasst werden, so dass alle Tiere gefangen werden, welche die Anlage durchschwommen haben. Diese Methode ist empfehlenswert als Ergänzung zu PIT-Tagging oder Videoaufnahmen, da so auch Fische erfasst werden können, welche nicht markiert wurden. Mit einer Reuse allein kann man nur sehr wenig über die Gesamteffizienz einer Fischwanderhilfe aussagen, da man nur weiss, wie viele Tiere erfolgreich gewandert sind aber nicht weiss, wie viele es versucht haben.

 

Videoaufnahmen

Wasseramsel im Einlauf einer Fischtreppe

 

Um das Verhalten der Fische beim Einsteigen, Aussteigen oder innerhalb einer Fischwanderhilfe zu beobachten, können Unterwasserkameras eingesetzt werden. Als alleinige Zählmethode eignen sie sich jedoch auch nur bedingt. Sie funktionieren nur bei klaren Wasserverhätnissen und die Auswertung ist zeitintensiv. Ein paar anschauliche Beispiele finden Sie hier.